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Unheimliche Begegnung der dritten Art

Gestern bin ich zum dritten mal mit dem Mann unserer Vermieterin zusammengetroffen - Diese Begegnungen sind jedesmal ein Erlebnis und eine Herausforderung für die Nerven, denn er ist nett, aber an der Grenze zu Aufdringlichkeit. Man muss dazu wissen, dass er aussieht wie ein Gnom. Klein, lange, schmierige Locken, riesige Lippen und riesige Augen hinter riesigen Brillengläsern. Früher war er mal Schauspieler, jetzt ist er Rentner und sitzt den ganzen in Joggingbuchse und Unterhemd in der Wohnung, außer am Wochenende, da geht er auf die Jagd und wenn er wieder kommt, stinkt es immer bestialisch nach Chemikalien und irgendwas Undefinierbarem. Und dann hört man komische Geräusche aus dem Keller...Wahrscheinlich werden da die Rehe und Häschen gehäutet...oder so...

Unser erster Kontakt war natürlich beim Einzug, wo wir uns notdürftig mit einem Kauderwelsch aus Englisch und Polnisch verständigt haben. Da wurde schon klar, dass er durchaus angetan von uns war.

Die zweite Begegnung war in unserer Wohnung, wo er den Fernseher reparieren wollte. Ich hab gerade gekocht und war froh, nicht kommunizieren zu müssen, aber falsch gedacht: Schwupps, stand er neben mir in der Küche, fixiert mich intensiv (mit seinem Gesicht ca. 5 cm von meinem entfernt) und schnuppert (wie die schwarzen Reiter bei Herr der Ringe). Als ich gerade dachte, die unangenehme Situation irgendwie überbrücken zu müssen brüllt er: "Aaaah! Good cook, good cook, my girl!" Klara konnte ihn irgendwie aus der Küche locken und wieder in den Flur bugsieren wo wir ihn immer noch hören konnten: "Good cook, good cook!"

Als Magda ihn das letzte Mal spontan reingelassen hatte, damit er drei unserer Lampen reparieren konte (hier geht ständig irgendwas kaputt), war ich zum Glück nicht da. Oder zu meinem Pech, denn da ich nicht wusste, dass jemand kommt, lag natürlich mein halber Kleiderschrank auf meinem Bett verstreut und der Gedanke, dass er mit meiner Unterwäsche alleine in meinem Zimmer war, behagt mir irgendwie nicht...


Gestern aber war eindeutig der Höhpunkt: Klara und ich gingen gerade zu unserer Wohnung hoch und er kam uns entgegen. Wieder mal blieb er wie angwurzelt einige Stufen über uns stehen und starrte uns eindringlich aus seinen riesigen Augen an. Als wir gerade brav Guten Tag sagen wollten, bricht ein wahrer Urschrei aus seiner Brust: "AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAh! GIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIRL! Now fine day, because I see you!!!!!!!!!!!!" Dazu muss man sich dieses Bild vorstellen: ein kleiner, ungepflegter Mann, der über uns steht und mit einer pathetischen Bühnenpose die Arme ausbreitet - Wir erschrecken uns jedes Mal so über seine Ausbrüche, dass wir unfähig zu einer passenden Reaktion sind. Klara und ich standen also noch ganz paralysiert da, als er mit ausbegreiteten Armen auf uns zu kam. Für eine Flucht war es zu spät: Wir mussten einen gönnerhaften Kuss auf die Stirn über uns ergehen lassen, und hörten noch den ganzen Weg bis nach oben "Aaaah! Ahhh! Fine girl!"

Um nicht missverstanden zu werden: Er hat zwar einen Narren an mir gefressen, aber doch eher wie ein Opa...und eigentlich war's ja auch ganz witzig. Trotzdem: Wir schließen jetzt von innen ab

 

 

27.10.07 11:51


Dies und Das

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich mir eine Gitarre gekauft habe? Natürlich nur eine ganz billige, aber für mich ausreichend, und sie besticht vor allem durch ihre Farbe - knallrot. Klara spielt nämlich sehr gut und bringt mir die wichtigsten Akkorde bei, die man so für die üblichen Lagerfeuer-Lieder braucht...

 

 



Dieses Wochenende verbringe ich zum ersten Mal ganz alleine in unserer Wohnung, Magda und Klara sind unterwegs. Die Stadt alleine zu erleben macht auch mal Spaß und zeigt mir, wie sehr ich mich hier schon eingelebt habe - der Alltag hat auch hier Einzug gehalten! Die alltäglichen Wege laufe ich schon wie im Schlaf, im Supermarkt verstehe ich auf Anhieb, wie viel ich bezahlen muss und das Wichtigste: Ich werde auf der Straße nicht mehr angerempelt.
Dazu muss man wissen, dass auf Krakaus Straßen ein Kampf stattfindet. Man kennt es ja auch aus Deutschlands Fußgängerzonen: Wer stur gerdeaus blickt und entschlossen voranschreitet, hat keine Probleme, unbehelligt durch die Massen zu gelangen. Das ist hier aber noch eine ganze Ecke krasser! In den ersten Wochen haben wir uns regelmäßige blaue Flecken an Armen, Knien und Schultern geholt, weil wir die Gesetze der Straße noch nicht kannten. Das läuft hier so ab: Wenn man jemandem entgegenkommt, findet ein kurzer Blickkontakt statt, der darüber entscheidet, wer ausweichen muss. Dem Verlierer bleibt nichts anderes übrig, als sich blitzschnell an die nächste Wand zu drücken oder vom Bürgersteig auf die Straße auszuweichen, wenn er nicht eine äußerst schmerzvolle Begegnung mit diversen Ellbogen oder Schultern machen möchte (Hierzu könnt ihr auch Basti befragen ) Eine andere Möglichkeit ist, dem Blickkontakt von vornherein auszuweichen, einfach stur über die Köpfe der Menschen hinwegzusehen und beherzt weiterzugehen. Das birgt zwar ein gewisses Risiko, klappt aber meistens. Außerdem gibt es noch eine Hierarchie, die ich aber noch nicht zu 100 Prozent verstanden habe: Gruppen haben Vorrang vor Einzelpersonen, je mürrischer der Blick, desto erfolgreicher etc.
Ich übertreibe natürlich, aber das ist etwas, was uns und anderen Erasmus-Studenten wirklich aufgefallen ist, was jetzt aber meistens reibungslos klappt.
So. Jetzt werde ich mich an meine Polnisch-Hausaufgaben machen und gespannt auf die Wahlergebnisse warten - heute sind nämlich Wahlen. Witzigerweise fällt deshalb morgen die Uni aus. Komische Logik, aber find ich gut
21.10.07 13:37


Die WG

So. Jetzt sollt ihr auch mal meine Mitbewohner kennenlernen, Klara und Magda. Klara kenne ich ja schon aus der Uni in Dortmund, und Magda kommt aus Belgien. Glücklicherweise spricht sie fließend Polnisch und kann uns so bei vielen Sachen helfen. Ich hab mit den beiden echt Glück, wir verstehen uns total gut, machen viel zusammen und haben auch viele Kurse zusammen - perfekt.

 

 
Von unseren anderen Mitbewohnern gibt es keine Fotos, denn sie sind alle eines unnatürlichen Todes gestorben, sobald sie sich uns gezeigt haben. Oder sie wurden rausgeschmissen. Ich spreche von handtellergroßen Spinnen, die sich sogar unter meiner Bettdecke eingenistet hatten. Auch Kellerasseln und sogar eine Kakerlake wollten bei uns wohnen - Gott sei Dank war Basti zur Stelle, um die fiese Kakerlake hinzurichten. 
 
Anmerkung von Basti: "Keine Sorge Ihr potentiellen Besucher, Sarah übertreibt ein bisschen. Die Bude ist verhältnismäßig rein!" 
 
Ich übertreibe gar nicht! Natürlich ist die Bude JETZT verhältnismäßig sauber, wir haben ja auch schon hart dran gearbeitet!  Naja. Wir haben auch noch eine andere Fast-Mitbewohnerin: Unsere nette Vermieterin Elzbieta. Kann immer mal vorkommen, dass sie unerwartet reinplatzt - manchmal auch ohne unser Wissen, sie hat nämlich einen eigenen Schlüssel. Aber es ist eine Nette. Sie ist etwa Mitte 70 und hat scheinbar Sehnsucht nach Enkeln, denn wir haben schon eine riesigen Sack dicke Bohnen und einen selbstgemachten Klotz Käse geschenkt bekommen...Leider schmeckt er keinem von uns. Wir werden ihn unauffällig entfernen.
 
Hier nochmal ein Foto unseres Hauseingangs:
 
 
 
@ Christoph: Hier bin ich beim Bigos-Essen. Köstlich, aber das von deiner Mutter war besser
 
 
16.10.07 14:28


Heute haben wir das Museum von Auschwitz besichtigt. Die Stadt liegt anderthalb Stunden Fahrt von Krakau entfernt, und die beiden Lager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau sind heute für Besucher geöffnet.

Obwohl Basti einige Fotos gemacht hat, möchte ich die nicht in den Blog stellen - es widerstrebt mir, Bilder eines so unfassbaren Ortes auf meinen pinken Blog zu stellen, Seite an Seite mit den Fotos unserer Kutschfahrt.

Gestern Abend haben wir uns spontan zu dieser Besichtigung entschieden - für mich fühlt es sich fast wie eine Verpflichtung an, wenn man schon einmal hier ist, das ehemalige KZ zu besichtigen. So war es ein seltsamer Abend und kein gutes Ins-Bett-Gehen, mit der Aussicht am nächsten Morgen Auschwitz zu "besuchen"...

Das Lager zu sehen, war eine sehr ergreifende und auch seltsame Erfahrung, die kaum in Worte zu fassen ist. Jegliches Vorstellungvermögen versagt hier! Selbst zwischen den Baracken von Auschwitz bleibt das Fassungsvermögen auf der Strecke, und die Vorstellung, dass hier vor 60 Jahren unzählige Menschen ermordet wurden, bleibt seltsam irreal. Sehr schockierend und unerwartet war die Größe des Vernichtunglagers von Birkenau - wenn man durch das Eingangstor geht, ist das Ende des Lagers nicht zu sehen, eine Holzbaracke reiht sich an die andere, und um das Bild der unzähligen Schornsteine, der Betonpfeiler des kilometerlangen Stacheldrahtzaunes und der schnurgeraden, so zielgerichtet wirkenden Gleise zu beschreiben, fehlen mir die Worte.

Als wir zurückliefen - auf dem gleichen Weg, der die Menschen damals in die Gaskammern führte - kam uns ein ganz kleines Kind entgegen, vielleicht zwei Jahre alt...Alle mussten wir unwillkürlich daran denken, dass tausende solcher Kinder hier umgebracht wurden...

Nach einem solchen Tag ist es schwierig, in die Normalität zurückzukehren, durchgefrohren nach Hause zu kommen und einen heißen Tee zu trinken. Ein seltsames und die eigenen Sorgen relativierendes Gefühl bleibt noch lange zurück und auch hier darüber zu schreiben ist schwer. Wie findet man Worte für das Unvorstellbare und doch Geschehene?

 

13.10.07 18:36


Kareta - Fahrt

Endlich ist Basti da! Das haben wir sofort mit einer höchst romantischen Kutschfahrt gefeiert - herrlich!

 

 

 

 

 

9.10.07 17:55


Collegium Maius und so

Das älteste Uni-Gebäude Krakaus ist das Collegium Maius - hier hat z.B. Kopernikus studiert! Heute finden hier keine Kurse mehr statt, aber Konferenzen der Universität. Deshalb darf man auch nicht alleine in die Räume, aber es gibt einmal am Tag eine Führung durchs Kopernikus-Museum. Leider waren wir nicht zu richtigen Uhrzeit da...

Da die Uniwersytet Jagiellonski keine Campus-Uni ist, sind die anderen Gebäude quer über die Altstadt verteilt, und der Großteil von ihnen ist auch ausgesprochen alt und schön. Nur unser Anglistik-Gebäude natürlich nicht. Das besitzt den Charme eines 60er-Jahre Plattenbaus...

 

 

 

 
Hier noch zwei Fotos der Eröffnungszeremonie des "academic year". Ich finde, die Harry-Potter-Roben passen perfekt zu den alten Gebäuden...
 

 

 
Zum Schluss nach ein Anekdote über die Krakauer Tauben: Hier sind das keine "Flugratten", sondern sie werden gehegt und gepflegt, und man sollte sie besser nicht verscheuchen, weil mit ihnen eine alte Geschichte verbunden wird. Laut Legende sind die Tauben verzauberte Ritter von König Heinrich. Der wollte nämlich beim Papst in Rom eine Einigung des zersplitterten Polen erreichen, war aber zu pleite, um die Reise zu bezahlen. Also hat ihm eine Hexe das nötige Gold beschafft - unter der Bedingung, dass alle Ritter so lange zu Tauben werden und Heinrich nicht begleiten würden. Leider hat König Heinrich auf dem Weg nach Rom das Gold verprasst und ist unverrichteter Dinge umgekehrt. Und so mussten die Ritter für immer Tauben bleiben. Die Armen.
 
5.10.07 11:40


Die Uni geht los!

Sooo, morgen ist es soweit! Dann haben wir unseren ersten Uni-Tag - hoffentlich werden die Kurse einfach und wir müssen nicht so viel arbeiten...

Heute waren die ersten bürokratischen Erledigungen angesagt - was im Klartext heißt: 2 Stunden Schlange stehen, um sich im International Student  Office zu registrieren. Gott sei Dank habe ich dadurch gemerkt, dass wir doch sehr gut organisiert sind - die anderen Studenten haben noch weniger Ahnung als wir.

Das stundenlange Anstehen wurde dann auch belohnt mit einer herrlichen Parade der Professoren durch die Altstadt. Sah irgendwie nach Harry Potter aus, wie sie da in ihren Samt-Roben herumliefen...(Fotos folgen noch) Insgesamt scheint hier die Uni einen höheren Stellenwert bzw. eine höhere Wertschätzung als in Deutschland zu besitzen. Es umgibt sie einrichtiger Gelehrten-Flair...

 Übrigens hoffe ich, dass sich die Seite jetzt schneller aufbaut - ich habe die Fotos nochmal verkleinert, so dass sie noch scharf, aber nicht zu groß sind. Ich werde hier noch ein richtiger Computer-Freak!

 So, jetzt geh ich skypen, mit dem Basti.

Liebe Grüße! 

1.10.07 19:02


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